Mehr als nur ein Telefon – das iPhone von Apple

Das Handy ist ein Alltagsgegenstand und der Kampf um neue Kunden hart. Dennoch rechnet sich der zum Multimediaspezialisten avancierte Computerhersteller mit seinem Konzept gute Chancen aus. Bisher hat Apple zwei Meilensteine in die Welt gesetzt, 1984 den Macintosh, 2001 den iPod. Jetzt, 2007, kommt laut Apple-Chef Steve Jobs der dritte Knaller: Mit dem iPhone soll der Einstieg in den Mobilfunkmarkt gelingen!

Ein konsequenter Gedanke, denn es gibt kaum einen iPod-Besitzer, der nicht ohne ein zweites kleines Gerät aus dem Haus geht, eben sein Mobiltelefon. Das Apple iPhone macht daraus ein Gerät. Nichts Besonderes, wenn da nicht das ultradünne, hochwertige Design wäre, und die neuen Ideen in Sachen Bedienbarkeit. Apple hat dafür rund 200 Patente angemeldet, aber im Grunde führt das iPhone nur bekannte Ideen geschickt zusammen. Die Kernidee ist ein berührungsempfindliches, sehr großes Display, das fast die gesamte Oberseite einnimmt. Mit dreieinhalb Zoll Diagonale und 160 Pixeln pro Zoll stellt es alle existierenden Smartphones in den Schatten. Der Bildschirm wird direkt mit den Fingern berührt, wobei ein Beschleunigungssensor, ähnlich wie beim Palm Pilot, quasi mitdenkt. Schnipst man den Finger nach oben, scrollt man durch Adresselisten, spreizt man Daumen und Zeigefinger, vergrößern sich die Bilder. Dreht man das Telefon, wird die Hochformatdarstellung automatisch zum Breitformat. Nähert man das Telefon dem Ohr an, schaltet sich das Display aus. Auch das übrigens keine neue Idee. Man kennt sie von digitalen Spiegelreflexkameras. Das iPhone läuft auf einem Intel-Prozessor unter dem angeblich vollständigen Mac OS X-Betriebssystem. Steven Jobs legte Wert auf die Feststellung, dass hier weder beim Betriebssystem, noch bei der Software „Lite"-Versionen wie etwa bei Windows Mobile ihr Unwesen trieben.

Drei große Firmen holte Apple bei diesem Projekt mit ins Boot und in San Francisco auf die Bühne: Google sorgt für vernünftige Landkarten- und Satellitendarstellungen auf dem Handy, der größte amerikanische E-Mail-Anbieter Yahoo wird E-Mails über das IMAP-Protokoll in die iPhones hinüber schieben, und zwar kostenlos - bislang war dieser vom Blackberry bekannte Push-Service für Privatkunden nicht bezahlbar. Und schließlich der größte US-Mobilfunkanbieters, Cingular. Cingular ist eine Tochter von AT&T und hat unter anderem für das Apple Handy seine Mailboxabfrage umprogrammiert: Auf dem iPhone-Display erscheinen Mailboxnachrichten als Symbole, die man nicht wie gewohnt hintereinander, sondern in beliebiger Reihenfolge abhören kann. Das iPhone soll im Juni auf den US-Markt, im Spätherbst nach Europa und im nächsten Jahr nach Asien kommen. In den USA wird es nur mit einem Zwei-Jahresvertrag mit Cingular verkauft.

Steven Jobs machte seine Scherze mit Smartphones und ihrer umständlichen Bedienbarkeit. Sein Gerät ist tatsächlich angesichts seiner Komplexität einfacher zu bedienen als alles, was bisher auf dem Markt ist. Was es leider nicht löst, ist das Problem des Tippens von Text. Man tippt beim iPhone einfingrig und unsicher auf Bildschirmbuchstaben herum, während ein Blackberry und seine Nachbauten sich bequem und sicher mit zwei Daumen beschreiben lassen. Auf jeden Fall hat Apple auf der Macworld 2007 in San Francisco einiges aufgerüttelt. Am iPhone wird sich in Zukunft jedes neue Mobiltelefon messen lassen müssen.