Dem Internet schlägt die Stunde der Amateure. Skurrile sowie teils freizügige private Videos, Fotos, Text-Blogs oder noch kaum bekannte Musik stehen hoch im Kurs und bescheren Anbietern der technischen Plattformen wie YouTube, Flickr, Myspace, Google Video und vielen anderen kräftigen Zulauf. „Broadcast Yourself" lockt YouTube, und immer mehr Menschen verlagern Teile ihres Lebens als digitale Existenz in eine „Online-Community". Die Eitelkeit vieler Selbstdarsteller in sozialen Internet-Netzwerken beflügelt die Entwicklung des so genannten Mitmach-"Web 2.0" maßgeblich.
Diese interaktive Websites weisen die größten Besucherzuwächse zwischen Januar und Oktober 2006 auf. Mit 607 Prozent Reichweitenwachstum führt der Branchendienst Cylex.de die deutsche Rangliste an. YouTube konnte die Unique Audience um 581 Prozent steigern. Auf Rang drei folgt MyVideo von ProSiebenSat.1 mit einer Steigerungsrate von 262 Prozent von Januar auf Oktober, knapp vor MySpace mit einem Plus von 243 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderanalyse von Nielsen/NetRatings für die FAZ.
Das „Time Magazine" wählte dieses Jahr als „Person des Jahres" den Internetnutzer. „Ja, Du. Du beherrscht das Informationszeitalter," begründete das US-Nachrichtenmagazin seine unkonventionelle Wahl, weil mittlerweile Millionen von Internetnutzern eigene Inhalte für das weltweite Netz schaffen und dem Medium damit zu seinem jüngsten Erfolg verhalfen.
„Wir erleben die Wiederentdeckung des Internetnutzers, der ja vorher eher vernachlässigt wurde, und den man jetzt wieder einbezieht", sagt Franz Neumeier, Chefredakteur des Fachblatts Internet Professionell. Dabei wird den Nutzern zwar das Gefühl vermittelt, sie selbst eroberten sich Teile des Internets. In Wirklichkeit stecken hinter Social-Network-Plattformen aber kommerzielle Anbieter, die damit ordentlich Geld verdienen. Sie haben entdeckt, dass es den Surfern sehr viel Spaß macht, selbst aktiv zu sein. Die eigene Homepage verliert dabei an Bedeutung, solange deren Inhalte nicht in ein Informationsnetzwerk einer gleichgesinnten Community eingebracht werden. Täglich werden zum Beispiel bei YouTube 100 Millionen Videos abgerufen. Und jeden Tag laden Internetsurfer 65. 000 kurze Videos zumeist aus ihrem privaten Lebensbereich anonym neu auf die YouTube-Plattform hoch.