Mehr Sinn im Internet - Die Semantik erobert das Web 2.0

Semantik ist die Lehre von Sinn und Bedeutung sprachlicher Einheiten. Damit soll jetzt das Internet erobert werden. Vor allen soll die Lehre dabei helfen, mehr Sinn etwa in Suchfunktionen zu bringen. Damit könnten viele Datensammlungen informativer gemacht werden. Das Konzept, das von Web-Erfinder Tim Berners-Lee entwickelt wurde, sieht vor, dass Daten und deren Beziehungen zueinander explizit beschrieben werden. Dadurch sollen Computer in der Lage sein, anhand dieser Beschreibungen Zusammenhänge zu erkennen. Eine gute Idee, aber viel zu abstrakt: So die bisherige Meinung der Experten über das Semantic Web.

Bessere Wissenswerkzeuge sind das Ziel. Auf der „Semantics" in Wien haben sich die Tage Entwickler getroffen, um Erfahrungen mit solchen Ansätzen auszutauschen und offene Probleme zu diskutieren. Dabei wurden neben Einsatzbeispielen aus der betrieblichen Praxis vor allem Projekte vorgestellt, die semantisches Web und Web 2.0 zusammenbringen. Am Beispiel des Online-Lexikons Wikipedia könnten semantische Beschreibungen die dort zahlreich aufgeführten Links wertvoller machen. Diese semantischen Erweiterungen der Wikipedia würde es den Autoren ermöglichen, dass sie die Links zwischen Artikeln mit einem Typ versehen und so sagen, wie stehen die verschiedenen Artikel zueinander im Bezug, z.B. in einem Artikel über Berlin könnte man sagen, dass Berlin die Hauptstadt von Deutschland ist und diese Sachen halt explizit in den Artikel eintragen.

Schaut man sich den Eintrag zu Berlin bei Wikipedia an, dann sieht man bereits eine Reihe von Links, die zu weiteren Informationen führen. Diese könnten dann nicht mehr nur zu den Informationen führen, die die Betreiber selbst für notwendig halten. Die Benutzer könnten sich vielmehr spontan mit einer Anfrage die Informationen zusammenstellen, die sie haben wollen, z.B. was sind die zehn größten Städte in Deutschland? Das könnte heute schon durch die gute Verlinkung des Lexikons der User erfahren, wenn er sich selbständig durchklickt. Mit Hilfe der Semantik jedoch, kann man diese Informationen formalisieren und in Kategorien einfügen und dann die Frage direkt an Wikipedia selber stellen und eine Antwort bekommen.

Die Betreiber sind von der Idee begeistert, es bleibt noch abzuwarten, ob das System für die riesigen Datenmengen der Wikipedia skaliert ist und die hohe Zahl der Abfragen verkraftet. Bei der englischen Version sind dies immerhin 12.000 Anfragen pro Sekunde. Wann und ob eine semantische Wikipedia wirklich ans Netz geht, mag noch keiner der Experten zu prognostizieren. Bei den bisherigen Tests habe sich gezeigt, dass der Teufel im Detail steckt. Optimisten hoffen auf eine Realisierung in den nächsten drei bis fünf Jahren.