Streit um iTunes-Preise eskaliert

Niemand verkauft im Internet mehr Musik und Videos als Apple. Doch die US-Unterhaltungsindustrie verlangt seit langem mehr Geld für ihre Werke. Apple hält mit seiner Marktmacht dagegen – und hat nun die Produkte des ersten Medienriesen aus iTunes entfernt.

Der Streit erregt umso mehr Aufmerksamkeit, da der Online-Vertriebsweg als zukunftsweisend gilt und iTunes vor allem bei Musik eine dominierende Marktposition hat. In der Branche ist der Drang ins Netz groß, die Konkurrenz wächst dramatisch. NBC Universal will in Zusammenarbeit mit der News Corp. (Fox) den eigenen Video-Dienst hulu.com aufbauen. NBC-Serien wie „Battlestar Galactica“, „The Office“ oder „Heroes“ machten etwa 30 Prozent des iTunes-Geschäfts mit Fernsehsendungen aus, teilte Apple mit. Allerdings ist der Video- Absatz insgesamt noch um ein vielfaches geringer als die Musikverkäufe bei iTunes.

Mit der Musikbranche gibt es allerdings auch Streit. In beiden Fällen geht es um die Politik von Apple, Musiktitel und Videos zu einem festen Preis zu verkaufen. Die Unterhaltungsindustrie würde aber lieber neue Titel teurer und ältere billiger anbieten. Der weltgrößte Musikkonzern Universal Music entschied deshalb im Juli, den Langzeitvertrag mit Apple nicht mehr zu verlängern, sondern Songs in dem Online-Shop nur von Fall zu Fall anzubieten.
Die Entertainment-Industrie erhofft sich mehr Möglichkeiten, Apple unter Druck zu setzen, auch mit dem Markteintritt immer neuer Wettbewerber. Erst vergangene Woche kündigte der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia an, zu seinen Musik-tauglichen Handys einen eigenen Internet-Downloaddienst zu starten. Der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart zettelte außerdem vor einigen Tagen einen Preiskrieg beim Online-Verkauf von Musik ohne Kopierschutz an. Titel ohne die sogenannte DRM-Software, die weiteres kopieren verhindert, können für 94 US-Cent heruntergeladen werden, und sind damit sogar billiger als kopiergeschützte Songs bei iTunes für 99 Cent.