Der Mobilfunkanbieter O2 will mit seiner Discount-Marke Fonic den Zehn-Cent-Tarif des Konkurrenten E-Plus unterbieten. Fonic soll nach Informationen aus Unternehmenskreisen am kommenden Montag starten und über den Lebensmittel-Discounter Lidl vertrieben werden. Lidl verkauft auch Mobilfunkprodukte wie Klingeltöne und Handyspiele. Das Unternehmen war bereits seit über einem Jahr auf der Suche nach einem Partner.
Der Minutenpreis für Gespräche in alle Netze und für SMS-Kurzmitteilungen werde bei 9,9 Cent liegen, hieß es. Der Fonic-Tarif liegt auch deutlich unter den Preisen, die die Mobilfunk-Discounter derzeit berechnen. So verlangen Simyo und Blau.de 15 Cent pro Minute.
O2 hatte zwar als erster Mobilfunk-Netzbetreiber vor über zwei Jahren durch ein Gemeinschaftsunternehmen mit Tchibo die inzwischen gängigen Kooperationen mit dem Einzelhandel eingeleitet. Der Münchner Konzern hatte sich aber lange geweigert, eine Discountmarke einzuführen. Wegen eines Gewinneinbruchs musste Ende Juni Rudi Gröger seinen Chefposten beim Münchener Mobilfunkanbieter räumen. Mit dem neuen Chef Jaime Basterra Smith ändert das Unternehmen offenbar nun seine Strategie und hofft, auf diese Weise wachsen zu können.
Die Mobilfunkbetreiber in Deutschland kämpfen gegen die Marktsättigung. Statistisch hat bereits jeder Deutsche ein Handy. Mit Ausnahme von E-Plus haben alle Netzbetreiber zuletzt Umsatz verloren. E-Plus kann sich gegen diesen Trend stemmen, weil das Unternehmen bereits früh mit Discountern auf seinem Netz die Konkurrenten angriff. Eines der E-Plus-Angebote wird beim Lidl-Konkurrenten Aldi vertrieben. Der Branchenzweite Vodafone verkauft über den Partner All-Mobile Handykarten bei Schlecker.
Die Discount-Mobilfunker vertreiben ihre Handy-Karten hauptsächlich über das Internet, um die Kosten niedrig zu halten. Bezuschusste Handys wie bei den Netzbetreibern gibt es bei ihnen nicht, weil sie ihre Kunden vertraglich nicht binden. Anders als die meisten Netzbetreiber-Tarife verlangen die Discounter einen Einheitstarif für Gespräche in alle Netze.
Nach einem Bericht der „Bild“ verlangt Fonic von seinen Nutzern eine monatliche Aufladung der Handykarte von zehn Euro. Der Betrag, der nicht verbraucht wurde, soll zurückerstattet werden.
Lidl suchte schon länger einen Mobilfunkpartner, um Aldi ein Konkurrenzangebot entgegenstellen zu können. Allerdings habe der Discounter den Netzbetreibern zu große Zugeständnisse abverlangen wollen, so dass die Gespräche im Frühjahr zunächst abgebrochen wurden.